Heringsdorf ist nach dem heute polnischen Swinemünde das älteste und vornehmste Seebad auf der Insel Usedom. Eine ununterbrochene Strandpromenade von 10 Kilometer Länge verbindet Heringsdorf mit seinen Nachbarorten Ahlbeck und Bansin. Diese Seebäder werden auch zusammen „Die Kaiserlichen 3" oder „Die 3 Kaiserbäder" genannt, da hier in früheren Zeiten der deutsche Hochadel gern verweilte und sich mit seinesgleichen trefflich zu amüsieren wußte. Heringsdorf war jedoch der beliebteste Erholungsort der deutschen Aristokratie. 1818 ließ ein gewisser Oberforstmeister Georg Bernhard von Bülow, übrigens ein Vorfahre vom Mimen Loriot, Heringsdorf als Fischersiedlung gründen. Der Name Heringsdorf ist nach verbrieften Aussagen dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren König Friedrich Wilhelm IV. zu danken, denn als dieser sich 1820 in dem künftigen Seebad umtat, wurde er vom Oberforstmeister und den Einwohnern gebeten, die Siedlung zu benennen. Der permanent stark vorherrschende Geruch von Hering dürfte da unzweifelhaft Pate gestanden haben. Fünf Jahre später trudelten die ersten Badegäste ein. Die offiziellen Anerkennung als Seebad stand dann im Jahre 1879 an. Die folgende Entwicklung zum mondänen Ostseebad hat das Kaiserbad maßgeblich der Berliner Finanzfamilie Delbrück zu verdanken, welche 1872 die Aktiengesellschaft Seebad Heringsdorf gründete und bis 1921 nicht nur das Kur- und Bäderwesen in Gang brachte, sondern auch zahlreiche luxuriöse Bauten errichtete.Unübersehbares Wahrzeichen Heringsdorfs war und ist damals wie heute die imposante Seebrücke. Ursprünglich nicht nur als Promenaden für die Seebadbesucher, sondern praktischerweise ebenfalls als Landungsstege gebaut, konnten die Damen und Herren Urlauber vor rund 100 Jahren direkt per Schiff an Land gelangen. Freilich, zum Flanieren eigneten sich die Seebrücken auch hervorragend. Schließlich galt schon damals: sehen und gesehen werden. 1893 war die alte Seebrücke fertig und wie es sich für ein Kaiserbad gehörte, ließ sich seine Majestät nicht lumpen und gab sogar seinen Namen für die Brücke her. Um den hohen Ansprüchen der vornehmen Gesellschaft zu entsprechen, war die Seebrücke zeitgemäß mit Türmchen und Kolonnaden aufwendig und luxuriös dekoriert. Das jedoch juckte Rasmus und Neptun herzlich wenig und mit vereinten Kräften demontierten sie 1958 das prestigeträchtige Bauwerk. Da zählte Heringsdorf schon zum Territorium der späteren DDR und für die technische Instandhaltung aristokratischer Baudenkmäler hatte man da weder Esprit noch das nötige Kleingeld. Folglich blieb Heringsdorf erst einmal seebrückenfreie Zone. Das änderte sich erst ab 1990, vorerst in fiktiven Gedanken, aber fünf Jahre später war es dann soweit. Um runde 50 Meter vom ehemaligen Standort versetzt und noch einmal um ebenfalls 50 Meter länger als die Vorgängerin, dürfen sich nun die Heringsdorfer rühmen, mit insgesamt über 500 Metern die längste Seebrücke Kontinentaleuropas zu besitzen. Nur in Südengland soll es noch längere Exemplare geben! Muschelmuseum, Wachsfigurenkabinett, Restaurants, Geschäfte und Ferienwohnungen geben dieser Seebrücke im Ensemble der anderen 19 in Mecklenburg-Vorpommern einen besonderen Stellenwert. Heringsdorf übte schon immer eine magische Anziehungskraft auf berühmte Künstler, Freidenker und Personen des öffentlichen Lebens aus. Ob es Musiker wie Strauß, oder Schriftsteller und Dichter wie Gorki, die Gebrüder Mann oder Tolstoi waren. Die würzige Seeluft atmend, den Geist des Zeitalters fühlend; all jene Emotionen spiegelten sich in ihren Werken wieder. Das Museum für Literatur und Regionalgeschichte in der Villa Irmgard hält zu dieser Thematik viel Wissenswertes bereit. Das ausgeglichene Klima und die auf 408 Metern Tiefe befindliche Jod-Sole sorgen für lebhaften Kurbetrieb bei verschiedene Indikationen. Was in diesem Zusammenhang so ganz nebenbei ebenfalls noch zum Markenzeichen der Kaiserbäder gehört, sind die naturellen Gegebenheiten des nahen Umlandes. Mit dem Gothensee und dem Thurbruch befinden sich zwei der insgesamt 14 Naturschutzgebiete des Naturparks Insel Usedom in unmittelbarer Nähe des mondänen Kaiserbades Heringsdorf. Die Wasserflächen zwischen Festland und Insel sind ein unbeschreibliches Paradies für Naturfreunde, Angler und Wassersportler. Hier kann man noch Seeadler beim Brüten beobachten, natürlich nur mit Fernglas, versteht sich. Die breiten Schilfgürtel sind nicht nur für Wasservögel ein El Dorado, sondern liefern der traditionellen Reetdachdeckerei den begehrten Rohstoff. Besonders reizvoll sind die Vogelschutzinseln Werder und Bömke im Balmer See, einer Bucht im Achterwasser. Usedom verfügt über große und kleine fischreiche Binnenseen. Der größte ist der Gothensee. In Gothen, einem Ortsteil von Heringsdorf, vermitteln viele Schaukästen Wissenswertes über die vielen hier lebenden seltenen und geschützten Tierarten. Smaragdlibelle, Admiral, Trauermantel, Eisvogel, Seeadler, Alpenstrandläufer und Karminggimpel gehören ebenso dazu, wie Fischotter, Moorfrosch, oder die Wasserfledermaus. Wer es nicht so mit Natur und Getier hat ist im Forum Usedom in Heringsdorf mit Spielbank, Kursaal, Verwaltung, Gemeindevertretung und Maritim Hotel Kaiserhof deutlich besser aufgehoben. Zweimal im Jahr geht hier mit „Heringsdorf goes Fashion" ein extravagantes Modeevent, von aktuellen Topmodels und vielversprechenden Modehäusern veranstaltet, über die sprichwörtliche Bühne. An der Strandpromenade erwartet das „Chapeau Rouge" in der Sommersaison mit vielfältigen Programmen seine begeisterten Theaterfreunde. Und das in Heringsdorf die Sterne im wahrsten Sinne des Wortes zum greifen nah sind, ist immer wieder bei den Führungen mit Einbruch der Dunkelheit in der Sternwarte direkt in den Dünen zu erleben! |