| Der Herbst mit seinem mächtigen Farbspektrum läßt das Ostseebad Kühlungsborn, umringt von Küstenwald, geschüttelt von stürmischen Winden und tosenden Wellen sowie den mühsam durch die Wolkendecke dringenden Sonnenstrahlen, in einem eigenen, ganz besonderen Licht erstrahlen. Wäre da nicht die typische Bäderarchitektur; den amerikanische Ostküsten Indian-Summer an die Ostsee drapiert. Kühlungsborn steht für eines der schönsten Seebäder Deutschlands, an der Mecklenburger Bucht gelegen, ausgefallen an Tradition, Stil und Architektur. Die faszinierende Geschichte des Ostseebades begann um 1200. Westfalen und Niedersachsen siedelten zwischen Kühlung und Ostsee in einem von Wenden unbewohnten Bereich und errichteten die Wagendörfer Brunshaupten und Arendsee. Die Kühlung ist eine von der Eiszeit geformte Landschaft, die eine bewaldete Hügelkette, mit einer Erhebung von 130 Meter über dem Meeresspiegel darstellt. Dieses Waldgebiet ist heute ein nahezu perfekt für ausgiebige Wanderungen und Radtouren genutztes Areal. Idyllische Natur, von romantisch anmutenden Schluchten, Bächen und Bergen umgeben. Im Jahre 1219 fand die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Brunshaupten durch den Fürsten Heinrich Borwin I. statt, bestehend aus 18 Bauernhufen. Dagegen wurde Arendsee 1275, als eine Fürstin Anastasia das Dorf der Kirche schenkte, erstmals mit einer Urkunde genannt, welche aus 7 Hufen bestand. Großherzog Friedrich Franz II. begann mit der Erbpachtung anno 1862 in den Domanialdörfern. Die Bauern bekamen 120 preußische Morgen Land und erhielten das Recht, Erbpächter zu sein.1869 werden die beiden Ortschaften selbständige Gemeinden. Bereits 1880 zogen sie – Brunshaupten 1881 und Arendsee 1884 - und das Gut Fulgen die ersten Badegäste an, deren zahl ab diesem Zeitpunkt stetig wuchs. Die ersten Seestege und Badeanstalten erfolgten damals streng nach Trennung der Geschlechter. 1886 stellte man das erste 5,6 Kilometer lange Teilstück der ältesten Schmalspurbahn an der Ostseeküste – die „Molli“ – von Bad Doberan zum Ostseebad Heiligendamm in nur 4 Wochen Bauzeit fertig und nahm den Zugbetrieb auf. Neben dem „Rasenden Roland“ auf Rügen, ist „Molli“ in der Gegenwart einer der Besuchermagneten im Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern. Und nicht nur für Eisenbahnnostalgiker und Technikfreaks! Als 1904 die heutige Ostseeallee – einst der Verbindungsweg zwischen den beiden ehemaligen beiden Ortsteilen – zum Bau freigegeben wurde, setzte ein regelrechter Bauboom ein und es dauerte nicht lange, bis die ersten Gäste die prächtigen Villen im berühmten Bäderstil in Besitz nehmen konnten. Fortan wuchs der Badebetrieb zusehends. Mit der Streckenverlängerung von „Molli“ zum heutigen Ostseebad Kühlungsborn am 12. Mai 1910, entdeckten immer neue badehungrige Zeitgenossen das idyllische Fleckchen Erde. Der Erste Weltkrieg ging auch am Seebad Kühlungsborn nicht spurlos vorbei; die Besucherzahlen brachen aus verständlichen Gründen regelrecht ein. Doch danach bescherte der Anschluß an das Fernreisenetz der Deutschen Reichsbahn und der weithin erlangte Ruf als familienfreundliches Bad wieder einen Anstieg der Gästezahl. Am 1. April 1938 folgte durch Reichsstatthalter Hildebrand die Zusammenlegung von Brunshaupten, Arendsee und Gut Fulgen. Zum Stadtrecht gab es gleich noch den Namen „Kühlungsborn“ verliehen. Seitdem zieren drei silbernen Möwen auf blauem Grund das Stadtwappen und symbolisieren somit die drei Ortschaften. Seit 1996 darf Kühlungsborn als Namenszusatz den Titel „Seebad“ zu tragen. Im modernen Kühlungsborn unserer Tage laden nicht nur die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten zu einem ausgedehnten Bummel durch die Stadt ein, sondern zahlreiche Restaurants, Hotels und Pensionen vermitteln auf Anhieb ein einzigartiges Flair in gemütlicher Runde. Die Umgebung bietet für Naturfreunde zahlreiche Möglichkeiten aktiver und dabei erholsamer Betätigung, wie Wanderungen oder Radtouren zum Leuchtturm Bastorf, der 1878 erbaut wurde oder die im Umland 1872 errichtete Holländerwindmühle „Brunshöver Möhl“. Heute ein Wahrzeichen Kühlungsborns und gleichzeitig beliebte Gaststätte. Die Windkraftanlage ist nur noch teilweise erhalten, gibt aber dennoch Einblicke in ihre frühere Bestimmung. Kulturell reizvoll ist eine Stippvisite zur aus dem 13 Jahrhundert stammenden Feldsteinkirche frühgotischen Stils. Die Besichtigung des Ehm-Welk-Hauses, der Journalist und Schriftsteller ist durch seine „Kummerow – Romane“ bekannt oder ein Besuch vielfältigster Kulturprogramme des 2003 vollständig sanierten Konzertgartens bieten unterhaltsame Zerstreuung. Lange, erholsame Strandspaziergänge oder Reitausflüge sind Pflichtprogramm für alle Besucher. Die Ostsee vor Kühlungsborn ist unter Anglern ein gern gehandeltes Revier für den Drill auf Dorsch, Lachs und Meerforelle. Allergiker und gesundheitlich angeschlagene Mitbürger aufgepaßt: Die milde Seeluft und das maritime Klima begünstigen Heilungsprozesse von Atemwegs- Herz- und Kreislauferkrankungen. Und Sportsfreunde kommen bei Golf, Volleyball oder auf den Tennisanlagen voll und ganz auf ihre Kosten.
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