| Wer in Neuendorf auf der Insel Hiddensee von der Fähre absteigt, lernt gleich einmal einen der nachhaltigsten Vorzüge des Eilandes kennen, denn das stille Dorf ganz im Süden steht komplett unter Denkmalschutz. Die Bewohner von Neuendorf mit seinem Ortsteil Plogshagen werden auch „De Süder“ genannt. Der ursprüngliche Charakter des alten Fischerdorfes hat sich im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert, denn noch immer prägen weißgetünchte Reetdachhäuser auf der grünen Wiese das vorherrschende Ortsbild. Es gibt keinen zentralen Dorfplatz und nirgendwo Zäune. Dafür aber Trampelpfade, breite Sandstrände und viel, viel Platz. Auch fehlen die üblichen Gärten und Abgrenzungen. Fast alle Häuser, mit der Breit- und Eingangsseite nach Süden ausgerichtet, stehen frei in der Landschaft. Die nördlichste Häuserzeile in Neuendorf heißt sinnigerweise bei den Einheimischen „Schabernack". Aufmerksame Beobachter finden in vor allem im benachbarten Vitte und Neuendorf die „Hausmarken“. Diese runenartigen Eigentumszeichen der Hiddenseer Familien, die von Generation zu Generation weitervererbt werden, dienen der Kennzeichnung von Tieren, Haushaltsgegenständen und Fischereigeräten. Durch Anfügen weiterer Striche, sogenannter Afmarks, wird auf mehrere männliche Erben in der Familie hingewiesen. Wer nach diesem kurzen Exkurs jetzt auf die Idee kommen sollte seinen Lebensmittelpunkt auf dieses einmalig idyllische Fleckchen Erde verlegen zu wollen, der sollte dies lieber erst überhaupt nicht in Erwägung ziehen. Ein bereits seit mehreren Jahren bestehender Baustop läßt auch für die Zukunft hoffen, daß Hiddensee seinen eigenen, unverfänglichen Charakter behalten darf und wird.
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